Modernes energieeffizientes Haus mit Solaranlage als Beispiel für nachhaltiges Bauen und nachhaltige Sanierung von Gebäuden

Nachhaltiges Bauen und Sanieren

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Nachhaltiges Bauen

Nachhaltiges Bauen und Sanieren: Zukunftsweisende Nachhaltigkeitskonzepte für Bestandsgebäude und Neubauten

Weltweit entfallen rund 38 Prozent aller CO2-Emissionen auf den Gebäudesektor, und das nicht nur im laufenden Betrieb, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Planung und Materialwahl über die Nutzung bis zum ressourcenschonenden Rückbau.

„Nachhaltiges Bauen“ ist ein ganzheitlicher Ansatz, der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt und dabei an mehreren Stellen innerhalb des Gebäudelebenszyklus ansetzt.

Nachhaltig Bauen durch Ökobilanzierung und Lebenszyklusanalyse (LCA)

Egal ob Mauerwerk, Holz- oder Stahlbetonbau: Die Umweltbilanz eines Ein- oder Mehrfamilienhauses bzw. einer Gewerbeimmobilie hängt nicht allein vom Energieverbrauch im Betrieb ab. Auch Herstellung und Transport der Baustoffe, der Energieverbrauch in der Bauphase sowie künftige Instandhaltungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Gesamtbilanz.

Definition: Was ist die Lebenszyklusanalyse (LCA)?

Die sogenannte Ökobilanzierung/Lebenszyklusanalyse (kurz: LCA) nach DIN EN 15978 betrachtet das Gebäude von der „Wiege bis zur Bahre“ und dient somit als Grundlage für die Bauplanung und Baubegleitung, aber auch die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen in Bestandsbauten.

Zwei Kennwerte sind dabei ausschlaggebend: das CO2-Äquivalent (CO2e), das verschiedene Treibhausgase in einer vergleichbaren Größe zusammenfasst, und der PENRT-Wert, der den Verbrauch nicht erneuerbarer Energie über die gesamte Produktionskette abbildet.

Bislang war die Ökobilanzierung vor allem im Kontext bestimmter KfW-Förderprogramme verpflichtend. Nach der novellierten EU-Gebäuderichtlinie (EPBD 2024/1275) muss das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial ab dem 1. Januar 2028 für alle Neubauten über 1.000 m² Nutzfläche berechnet und im Energieausweis ausgewiesen werden. Ab dem 1. Januar 2030 soll diese Pflicht dann ausnahmslos für alle Neubauten gelten.

Nachhaltigkeit im Laufe des Lebens: Vorteile einer Ökobilanzierung (LCA)

Eine Ökobilanzierung liefert bereits in der Planungsphase eine belastbare Grundlage für ein zukünftiges nachhaltiges Bauen und Sanieren: So lässt sich mithilfe der LCA klar erkennen, in welchen Phasen eines Bauprojekts die meisten Treibhausgasemissionen entstehen. Gleichzeitig können verschiedene Baustoffe und Konstruktionen anhand standardisierter Daten direkt miteinander verglichen werden.

Auf dieser Basis lassen sich Materialentscheidungen nicht nur nach Kosten, sondern auch nach Primärenergiebedarf, Ressourcenverbrauch und Recyclingfähigkeit fundiert begründen. Darüber hinaus bildet die LCA die rechnerische Grundlage für den Nachweis der Lebenszyklus-Emissionen, der unter anderem zum Beantragen bestimmter KfW-Förderungen, wie z. B. das Bundesprogramm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN), erforderlich ist.

Graue Energie: Der unsichtbare Teil der Klimabilanz

Graue Energie bezeichnet die gesamte Energiemenge, die für Herstellung, Transport und Verarbeitung von Baustoffen aufgewendet wird, bevor ein Gebäude überhaupt genutzt werden kann. Je energieeffizienter ein Gebäude, desto stärker fällt dieser Anteil ins Gewicht: Bei modernen Effizienzhäusern macht die graue Energie mittlerweile oft mehr als die Hälfte der gesamten Lebenszyklusbilanz aus. Baustoffe wie Holz oder Lehm schneiden hier deutlich besser ab als Beton oder Stahl.

Ressourcenschonung durch bewussten Materialeinsatz: Zirkuläres Bauen, Materialeffizienz und Ressourcensuffizienz

Neben der Energieeffizienz im laufenden Betrieb spielen beim nachhaltigen Bauen und Sanieren auch die eingesetzten Baustoffe und Materialien eine immer wichtigere Rolle. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), die die Bundesregierung im Dezember 2024 verabschiedet hat, hat zum Ziel, Baustoffe länger zu recyceln und Abfall bereits in der Planungsphase auf ein Minimum zu reduzieren.

Zwei zentrale Handlungsfelder sind dabei das nachhaltigere, zirkuläre Bauen und ein gezielter Ressourceneinsatz durch eine gesteigerte Materialeffizienz:

  • Zirkuläres Bauen: Zirkuläres Bauen bezeichnet einen modernen Ansatz innerhalb der Baubranche, bei dem Materialien und Ressourcen so lange wie möglich im Kreislauf gehalten werden. Gebäude werden von Anfang an so geplant, dass ihre Bauteile am Ende der Nutzungsdauer demontiert, wiederverwendet oder recycelt werden können.
  • Materialeffizienz: Materialeffizienz zielt darauf ab, den Einsatz von Primärrohstoffen zu reduzieren und Baustoffe dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen entfalten. Das beginnt bereits in der Planungsphase: Digitale Optimierungsverfahren und konstruktive Ansätze wie modulare oder bionische Tragwerke helfen dabei, Materialmengen gezielt zu minimieren.
  • Ressourcensuffizienz: Während Materialeffizienz darauf abzielt, Baustoffe möglichst sparsam und wirkungsvoll einzusetzen, geht Ressourcen-Suffizienz noch einen Schritt weiter. Ziel ist es, den Bedarf an Wohn- und Nutzfläche sowie an neu eingesetzten Baustoffen insgesamt zu reduzieren. Dazu zählen der Erhalt und die Umnutzung bestehender Gebäude, die Mehrfach- und Weiternutzung von Flächen sowie eine bedarfsgerechte Planung.

Gerne begleiten wir von Pitbau Ihr Bau- oder Sanierungsprojekt, von der nachhaltigen Materialwahl bis zur Förderantragstellung. Jetzt Projektanfrage stellen.

Serielle Sanierung: Industrielle Modernisierung für effiziente und förderfähige Gebäude

Obwohl der Gebäudesektor für etwa ein Drittel aller CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich ist, beläuft sich die Sanierungsquote hierzulande seit Jahren auf weniger als 1% (Stand: 2025). Nachhaltigkeit beginnt somit nicht mit dem Errichten von umweltfreundlichen Neubauten und Energieeffizienzhäusern: Das größte Potenzial steckt vielmehr in den Millionen unsanierter Bestandsgebäude.

Nachhaltig sanieren, anstatt zu bauen: Was versteht man unter der seriellen Sanierung?

Die serielle Sanierung ist ein innovatives Verfahren zur energetischen Modernisierung von Bestandsgebäuden, das digitale Planung und eine effiziente industrielle Vorfertigung mit bewährten standardisierten Bauprozessen kombiniert.

Anders als bei konventionellen Sanierungen, bei denen Handwerker verschiedener Gewerke nacheinander und wetterabhängig direkt am Gebäude arbeiten, werden Fassaden-, Dach- und Technikmodule hier auf Basis präziser digitaler Gebäudedaten vorab im Werk gefertigt. Die Montage erfolgt anschließend vor Ort.

Das Ergebnis ist eine hochenergieeffiziente Gebäudehülle, die aktuelle und künftige Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz optimal erfüllt – und dabei deutlich schneller vonstattengeht, als es bei herkömmlichen Sanierungsverfahren der Fall ist.

Mehr Nachhaltigkeit für Immobilienakteure und Anbieter serieller Sanierungslösungen

Die serielle Sanierung rentiert sich vor allem dann, wenn verschiedene baugleiche Gebäude saniert werden sollen: Insbesondere in den 50er-, 60er- oder 70er-Jahren wurden Mehrfamilienhäuser häufig in Serie gebaut, weisen also ähnliche Baustrukturen auf, sodass dieselben Module für mehrere Gebäude genutzt werden können.

Besonders Wohnungsunternehmen und andere Bestandhalter wie Wohngenossenschaften, Hausverwaltungen und WEGs profitieren von den Vorteilen und Skalierungseffekten:

  • Verkürzte Bauzeiten durch industrielle Vorfertigung und standardisierte Montageabläufe
  • Minimale Beeinträchtigung der Bewohner, da ein Großteil der Arbeiten von außen erfolgt
  • Attraktive Fördermöglichkeiten über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) inklusive SerSan-Bonus (seit der BEG-Reform vom 21. Juli 2026 bereits ab dem Effizienzhaus-Standard KfW-EH70 möglich)

Als unabhängiges Ingenieurbüro unterstützt die Pitbau Ingenieure GmbH Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und WEGs bei der seriellen Sanierung von Bestandsgebäuden, von der ersten Machbarkeitsprüfung bis zur Projektfertigstellung. Jetzt Kontakt aufnehmen und mehr erfahren.

Modulbauweise: Industrielle Vorfertigung für Neubauten

Was die serielle Sanierung für Bestandsbauten ist, ist die Modulbauweise für den Neubau. Komplett vorgefertigte Raumeinheiten, sogenannte Raumzellen, werden hierbei – inklusive Sanitär- und Heizungselemente sowie Elektroinstallationen – nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt. Diese Vorgehensweise führt dazu, dass

  • die Bauzeit sich durch die witterungsunabhängige Fertigung im Werk deutlich verkürzt,
  • der Materialverschnitt sinkt, da Zuschnitt und Montage präzise im Fertigungsprozess erfolgen
  • die Bauqualität gleichmäßig hoch bleibt, weil Qualitätskontrollen unter Werkbedingungen statt, wie sonst üblich, auf der Baustelle stattfinden können,
  • sich Bauzeiten und Materialbedarf im Vorfeld besser kalkulieren lassen, was wiederum für mehr Kosten- und Planungssicherheit sorgt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2023 bereits fast jedes vierte fertiggestellte Wohngebäude in Deutschland ein Fertigteilbau, der Anteil ist dabei von 19,7 Prozent (2022) auf 20,6 Prozent gestiegen. Für Bauherren, die Kosten- und Planungssicherheit mit einer guten Ökobilanz verbinden möchten, ist die Modulbauweise damit eine echte Alternative zu konventionellen Bauweisen.

„Nachhaltige“ Unterstützung: Welche Fördermittel gibt es für nachhaltiges Bauen?

Für das nachhaltige Bauen und Sanieren stehen Ihnen in Deutschland verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Das zentrale Förderinstrument des Bundes ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Für das nachhaltige Bauen und Sanieren sind dabei folgende Programme besonders relevant:

  • Klimafreundlicher Neubau (KFN): KfW-Kredit bis zu 100.000 € pro Wohneinheit für Neubauten mit niedrigen Treibhausgasemissionen
  • Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG): Zusätzliche Nachhaltigkeitszertifizierung, die den KFN-Kreditbetrag auf bis zu 150.000 € pro Wohneinheit erhöht.
  • Effizienzhaus-Sanierung (KfW 261): Kredit mit Tilgungszuschuss für die Komplettsanierung von Bestandsgebäuden auf einen definierten Effizienzstandard
  • Einzelmaßnahmen (BAFA oder KfW): Direkte Zuschüsse für einzelne energetische Sanierungsmaßnahmen wie Dämmung oder Heizungstausch zugunsten einer Wärmepumpe
  • Serielles Sanieren: Zusatzbonus von bis zu 15 Prozentpunkten für Sanierungen mit industriell vorgefertigten Bauteilen

Das QNG-Siegel setzt in der Regel eine DGNB-Zertifizierung voraus, die die Nachhaltigkeit eines Gebäudes anhand ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Kriterien über den gesamten Lebenszyklus bewertet und einer bestimmten Stufe zuordnet (Silber, Gold und Platin). Für Bestandsgebäude gibt es zusätzlich die Stufe Bronze. Um das QNG – und damit die volle BEG-Förderung – erhalten zu können, muss ein Gebäude mindestens mit „Silber“ bewertet werden.

Für die meisten BEG-Programme ist die Einbindung eines zertifizierten Energieberaters verpflichtend. Dieser erstellt zunächst eine umfassende Analyse des Status quo und legt anschließend die Reihenfolge der geplanten Maßnahmen fest. Auf dieser Grundlage können Sie dann auch die entsprechenden Fördermittel beantragen.

Gerne stehen Ihnen die erfahrenen Pitbau-Energieberater hierbei beratend zur Seite. Sprechen Sie uns an.

FAQ: Häufige Fragen zum nachhaltigen Bauen

Im Folgenden haben wir einige der am häufigsten gestellten Fragen rund um das nachhaltige Bauen und Sanieren für Sie zusammengestellt.

Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen?

Nachhaltige Gebäude verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus deutlich weniger Treibhausgasemissionen als konventionelle Bauten. Gleichzeitig sinken die Betriebskosten durch geringeren Energieverbrauch langfristig erheblich, wodurch auch der Immobilienwert steigt.

Welche Rolle spielt die Sanierung von Bestandsgebäuden beim nachhaltigen Bauen?

Das größte CO2-Einsparpotenzial steckt nicht im Neubau, sondern in den Millionen unsanierter Bestandsgebäude. Da die Sanierungsquote in Deutschland seit Jahren unter einem Prozent liegt, bleibt dieses Potenzial bislang weitgehend ungenutzt – dabei bietet die energetische Modernisierung des Bestands gegenüber dem Neubau häufig die bessere Ökobilanz.

Kosten: Wie teuer ist nachhaltiges Bauen?

Nachhaltiges Bauen kostet je nach Bauweise und Standard etwa 10 bis 25 Prozent mehr als ein konventioneller Neubau. Staatliche Förderungen wie die BEG reduzieren die Mehrkosten jedoch spürbar. Gleichzeitig gleichen die niedrigeren Energiekosten die Investitionskosten über die Nutzungsdauer hinweg langfristig aus.